Veröffentlicht in Allgemein

Über das Loben oder die Gefahren der „Tollwut von Pädagoginnen/Pädagogen

Anette Frankenberger erklärt einen Trend unserer Zeit: die „elterliche Tollwut“. Wie auch Jesper Juul in seinen Vorträgen und Büchern betont, ist „Lob“ die „Strafe“ des 21. Jahrhunderts.

Was ist damit gemeint?

Ein Artikel von Anette Frankenberger im Merkur:

Für Wohlverhalten gibt es ein Lob, auf Fehlverhalten folgt meist eine mehr oder weniger hilflose Bestrafung. Heutzutage bekommen die meisten Kinder zuviel Lob: jede noch so kleine „Leistung“ wird mit einem „das ist ja toll“ beantwortet. Wenn aber alles toll ist, führt das dazu, dass das Kind das Gefühl dafür verliert, was denn wirklich eine gute lobenswerte Leistung ist und was nicht.

Das Kind lernt, dass alles, was es tut, die Begeisterung seiner Eltern auslöst und wird von diesem dauernden Lob abhängig. Ihm fehlt die Erfahrung mit Fehlern und mit „nicht toll“ umzugehen, und gerät bereits in Not, wenn das erwartete Lob ausbleibt. Deshalb brauchen Kinder viel weniger Lob, aber viel mehr Wertschätzung und Ermutigung, um ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Was ist hier der Unterschied? Ein Lob bekommt man eigentlich nur für eine erbrachte Leistung und ist immer mit einer Bewertung verbunden. Wertschätzung aber muss man sich nicht verdienen, auf sie hat man ein natürliches Anrecht, bloß weil man „da“ ist. Es ist die einfache Botschaft an das Kind „schön, dass es dich gibt“ oder „wir haben dich lieb, so wie du bist“. Hier fühlt sich das Kind angenommen und gesehen, ohne dass es dafür etwas leisten muss. Erst dieses Gefühl des Angenommenseins, ermöglicht dem Kind einen gesunden und unabhängigen Umgang mit Erfolg und Misserfolg.

Ähnlich ist es mit einer Strafe – sie kommt in der Erziehung oft so spät und unangemessen (weil die Eltern längst viel zu genervt sind), so dass das Kind den Zusammenhang zwischen seiner Tat und der Reaktion nicht mehr herstellen kann. Kinder lernen aber nur aus ihren Taten, wenn sie die Konsequenzen auch verstehen und mit ihrer Handlung logisch in Verbindung bringen können. Kinder brauchen also für ein gutes Selbstwertgefühl, weniger Lob, aber viel mehr Wertschätzung und weniger Bestrafung, aber klare und einfache Konsequenzen auf ihr Verhalten.

Anstelle von monotonem „toll“, „schön“, etc. können Pädagog*innen und Eltern wirkliche Wertschätzung zeigen. Jeder Mensch hat das Grundbedürfnis gesehen und beachtet zu werden. Wir wollen beachtet werden, auch ohne, dass ich dafür eine Leistung erbringen muss. Nur weil ich da bin, ist es gut, dass ich da bin. Nur weil ich da bin, bin ich liebenswert. Und diese Botschaft bekommt der Mensch nur, wenn er das Gefühl hat, dass er oder sie sichtbar ist und gesehen wird.

Will man, dass Kinder Spaß am Lernen haben, muss man Kinder wirklich sehen!

Erzieherinnen und Erzieher sowie Eltern könnten anstelle von Lob den Kindern ihre wirkliche Freude zeigen. Oder – je nach Kontext – einfach „Danke“ sagen bzw. wirklich aufmerksam und präsent sein.

Einen lesenswerten Artikel findet man auch in „Die Zeit“ mit dem Titel: „Belohnen ist das neue Bestrafen“

 

Advertisements
Veröffentlicht in Allgemein

Belohnung ist genauso schädlich wie Bestrafung

Der Hirnforscher Gerald Hüther erklärt, wie Menschen lernen, Freude am Lernen behalten oder aber auch verlieren können.

Einen sehr informativen und ausführlichen Vortrag von Gerald Hüther über das Thema „Erziehung und Bildung“ kann man in seiner Mediathek runterladen (ZIP-Datei) und anhören! Es lohnt sich 😉

Hier der entsprechende Link: „Erziehung und Bildung“

 

Veröffentlicht in Bildung, Erziehung, Lernen, Lernpsychologie, Pädagogik, Schule, Wissen

„Lernen ist Erfahrung“ – Was unsere Schulen lernen sollten…

Der Philosoph und Publizist Richard David Precht wirft einen interessanten und kritischen Blick auf unser Bildungssystem.

Ein nicht nur unterhaltsamer, sondern echt wichtiger Perspektivwechsel auf die Themen „Lernen“, „Bildung“ und „Schule“ – sehr sehenswert!

Veröffentlicht in Allgemein

Blog: Erziehen, bilden und begleiten

Dieses Blog dient als Informationsplattform für Erzieher und Erzieherinnen. Als Dozentin der Fachakademie möchte ich den Studierenden wissenswerte Informationen in Form von Links, Zeitungsartikeln, Clips und Filmempfehlungen sowie Fachartikel zur Verfügung stellen.

Über Anregungen, Infos und Hinweise freue ich mich!

Herzlichen Dank!

Ihre Cathrin Rieger